München - Venedig oder besser Bad Tölz - Belluno?

OliverG @, München, Dienstag, 26. Dezember 2017, 18:21 (vor 297 Tagen)
bearbeitet von OliverG, Dienstag, 26. Dezember 2017, 19:59

Da einige jetzt wahrscheinlich mit ihrer Planung für MV 2018 starten und das Forum noch ruhig ist, hier ein Diskussionsbeitrag der vielleicht etwas kontrovers ist.

Was gewinnt man mit den Flachlandetappen?

Wir sind die MV im letzten Jahr komplett gelaufen, doch ich würde nur sehr bedingt empfehlen, die Flachlandetappen zu machen.

München-Lenggries ist ja noch ganz nett, wenn auch sicherlich kein Highlight und recht anstrengend. Das Laufen auf festen Wegen ist deutlich monotoner und belastender als die Bergetappen und von der Isar sieht man am ersten Tag primär den Kanal, am zweiten sieht man sie nur manchmal durch die Büsche blitzen.

Lenggries - Belluno, das sind einigen Highlights der Alpen und eine tolle Wanderung.

Der Abstieg nach Belluno sicher auch noch ein Highlight - am Vortag hat man mit dem Schiara Klettersteig den sportliche Höhepunkt erlebt, man wacht noch mal in einer typischen Alpenvereinshütte auf, dann geht es den Berg runter, der Wald wird höher, die ersten Häuser kommen, es wird urbaner – und am Schluss läuft man in eine typische italienische Stadt ein, die Leute sitzen in den Cafés und Bars - und das Ganze hat nichts alpenländisches mehr. Abends dann ein tolles italischeres Menu, nach all dem Hüttenessen. Eigentlich ein toller Abschluss.

Den Col Visentin fand ich auch noch einmal beeindruckend – der Blick auf einer Seite zurück bis zu Civetta und Schiara und auf der anderen Seite bis zur Adria und der Lagune von Venedig, toll, das verschmerzt man auch dass die Hütte nicht die schönste der Tour ist. Auch der Abstieg zum Maria See und die Weinberge um Arfanta sind noch sehr schön, doch spätestens ab Mühle gibt es nur noch feste Wege.

Die Piave Ebene ist nur nervig. Entweder Damm oder Straße, zersiedelte Landschaft, reizlose Orte, Hitze, hatschen, hatschen hatschen. Drei Wochen ohne Blasen, doch hier sind sie kaum zu vermeiden.

Niemand kann den Weg schön nennen, doch nach 3 Wochen in den schönsten Bergen ist es noch schlimmer. Das Ganze ist kein Lustgewinn, es geht nur ums Ankommen. Nervige Qual, nur um „es sich zu beweisen“ – kein Mensch in meinem Umfeld hat verstanden warum ich mir das zugemutet habe, das Ganze ist also nur das Erreichen eines persönlichen Ziels.

Auch der Einlauf nach Venedig war für mich eine Anti-Klimax. Nach nerviger Straßenwanderung von Lido de Jesolo (das Bad in der Adria war für mich schon ein tolles Ziel), und der Fähre kommt man eben nicht am Markusplatz an, sondern einen halben Kilometer davon entfernt. Man schiebt sich durch Menschenmassen, Selfie-knipsenden Chinesen, schlimmer als Disneyland, und dann kommt man endlich genervt am Markusplatz an. Und das war’s jetzt?

Also, man kann sich eine Woche sparen, damit wird die Wanderung in „normalen“ Urlaubszeiten einfacher umsetzbar, und dann vielleicht den Bus nach Venedig nehmen. Die Piave Ebene hat nur den Wert, dass man es sich beweist und zum Ziel quält. Kein toller Abschluss einer so tollen Wanderung.

Wie habt ihr das erlebt?

München - Venedig oder besser Bad Tölz - Belluno?

HRH, Montag, 08. Januar 2018, 09:31 (vor 284 Tagen) @ OliverG

Hallo Oliver,

ich habe das exakt auch so erlebt wie Du es beschreibst, bin MV im Jahr 2016 gegangen.

Allerdings würde ich diese beiden Etappen trotzdem nicht missen wollen. Mir selbst etwas beweisen wollte ich mir mit den Etappen nicht. Mir war eher wichtig, den Weg "vollständig" gegangen zu sein und nicht irgendwas wegzulassen, warum auch immer.

Ich habe ziemlich fest vor, MV nochmal zu gehen. Vielleicht dieses Jahr, mal schauen. Jetzt allerdings wäre der "vollständige" Weg für mich ganz persönlich "nur" noch bis zum Mittelmeer. Mit Venedig verbindet mich überhaupt nichts.
Somit würde ich wieder von Belluno die wirklich unschönen Asphalt-Etappen nochchmal gehen wollen. Ich würde sie wohl anders wahrnehmen und darauf würde ich mich durchaus freuen. Ich bin sehr oft in den Alpen unterwegs und sehr gerne gehe ich Wege zweimal oder gar mehrmals. Es ist jedesmal ein anderes Empfinden das sich sehr lohnt, wie ich finde.

Ich würde auch wieder von München aus starten wollen. Ja, es ist gerade am Anfang ein ewige Gelatsche auf viel Schotter und die Isar sieht man so oft auch nicht.
Der Weg zum Alpenrand stimmt jedoch toll ein, auf das was kommt. Klar, das ist subjektiv - und ich hatte damals perfektes Wetter. Das beein f l usst das Erlebnis natürlich maßgeblich.

Servus!
Stefan

München - Venedig oder besser Bad Tölz - Belluno?

styles78 @, Montag, 08. Januar 2018, 14:32 (vor 284 Tagen) @ OliverG

Natürlich ist die ursprüngliche Strecke dem Initiator dieser Tour geschuldet, ob
man sie heute noch so gehen muss ist natürlich fraglich.

Ich bin 2016 die komplette Tour(bis Tarzo) am Stück gelaufen und empfinde es teilweise wie von Dir beschrieben, Oliver.

Den Teil der ab Tarzo kommt kann man sich sparen, ich bin ihn selbst nicht gelaufen sondern mit Bus und Bahn nach Venedig gefahren, habe aber von Mitwanderern in Venedig erfahren, dass es keine schöne Strecke ist und keinen Reiz hat. Also warum den tollen Abschluss damit trüben? Das Argument "dann bin ich halt komplett gelaufen" hat für mich nicht gezogen.

Wie du sagst, nach so vielen Wochen in den wunderschönen Bergen kommt da einfach nix mehr tolles. Da fand ich das Hotel AI PINI in Tarzo einen tollen Abschluß, bin hier noch bei gutem Essen und Ruhe 3 Tage geblieben und hab mich dann auf den Weg nach Venedig gemacht.

Allerdings muss ich sagen, dass ich die Flachetappen BEVOR man ins Gebirge kommt irgendwie toll fand und auch gebraucht hab.
Bis ein Tag davor noch im Büro gehockt und plötzlich auf so einem großen Abenteuer zu sein, muss man erst einmal sacken lassen.
Noch schöner fand ich, dass man immer mehr den Bergen näher gekommen ist und sich eine schöne Vorfreude, trotz Blasen und Muskelkater, aufgebaut hat.

Finde aber, dass man aus den 2 Etappen ruhig 3 machen kann, fast 60km an 2 Tagen im Flachland und das "ungeübt" sind schon heftig.

München - Venedig oder besser Bad Tölz - Belluno?

Günter, Mittwoch, 10. Januar 2018, 16:24 (vor 282 Tagen) @ OliverG

Hallo OliverG,

Diskussion ist entfacht.

Was gewinnt man mit den Flachlandetappen?

Bin 2007 komplett gelaufen und kann nur sagen - die gehören (beim 1. Mal)für mich dazu auch weil diese Wanderung - von München bis Venedig - heißt.
Sonst wäre es für mich nicht die Alpenüberquerung von München bis Venedig.
Ums gleich klar zu stellen das kann jeder machen wie er will nur ich hab`s eben so gemacht. Und jetzt kommt das aber - nochmal würd ich das auch nicht mehr machen wollen, da geb ich dir in vielem Recht.
Ich hab es übrigens 2014 nochmal versucht, bin von Würzburg bis Arzbach mit dem Fahrrad gefahren und hab dann wieder die Stiefel geschnürt. Leider hab ich dann im Inntal wegen verschiedener Umstände abbrechen müssen. Ein Umstand war auch, das sich eine gewisse Reizlosigkeit eingestellt hatte, was ich nicht vermutet hatte da es beim ersten Mal 2007 das Erlebnis schlechthin war. Vielleicht lag`s aber auch an den Mitwanderern bis dahin die waren auch nicht so prickelnd wie beim ersten Mal.
Dann kamen noch gesundheitliche Probleme und Schnee ab 2000m dazu und der Abbruch war besiegelt. Ich veruch es aber nochmal ab dem Inntal :-) vielleicht 2018.

Aber ums nochmal klarzustellen beim 1. Mal gehört für mich der gesamte Weg zu dieser Alpenüberquerung ;-) und das ohne Hilfsmittel.:-)

München - Venedig oder besser Bad Tölz - Belluno?

Peter11 @, Donnerstag, 25. Januar 2018, 15:53 (vor 267 Tagen) @ OliverG

Hallo,

ich habe die Tour schon 3-mal gemacht...und immer von München nach Venedig !
Ich musste mir auch nichts beweisen, aber wie im richtigen Leben wollte ich mir nicht nur die Highlights aussuchen...
Von München langsam die Berge näher kommen zu sehen finde ich sehr schön, die Vorfreude steigt...und auch die Kondition ;-)
Und die letzten Flachetappen nach Venedig fand ich zwar anstrengend...aber hier lernt man das richtige Italien kennen (u.a. viele kleine Cafes mit super Dolci)...und daher sind diese Etappen für mich unverzichtbar !!!

...sonst könnte man sich ja auch andere Mehrtageswanderungen über die Alpen aussuchen...

Aber wie gesagt, jeder wie er will...für mich wäre das Erlebnis aber nicht das gleiche gewesen, wenn ich nur Lenggries-Belluno gemacht hätte.

Ich habe inzwischen auch zwischen Schäftlarn und Bad Tölz für mich reizvollere Wege gefunden...und auch von Ponte delle Priula bin ich anders gegangen...hab dafür aber super Leute getroffen...wunderschöne Lokale genossen...und auch fast unberührte Badeplätze entdeckt...und bin eigentlich von Tarzo bis Cavallino an Weingärten entlanggegangen...
...hab auch einmal in Cavallino übernachtet...abends um 19.00 im Meer gebadet (fast alleine)...bin morgens um 5.00 von dort nach Punta Sabbione gegangen...und war vor den Touristen am Markusplatz...ein unbeschreibliches Erlebnis !!! :-)

Ich jedenfalls möchte die Erlebnisse, Begegnungen und Unterkünfte bis Lenggries und ab Tarzo niemals missen !!!!

Viele Grüße an alle, die die Tour im Sommer machen wollen:-)
Peter

München - Venedig oder besser Bad Tölz - Belluno?

Holger @, Berlin, Freitag, 25. Mai 2018, 14:11 (vor 147 Tagen) @ Peter11

Hallo Peter,
ich bin letztes Jahr den Traumpfad zusammen mit Oliver gewandert.
Leider hätte man sich auf den einzelnen Etappen viel mehr Zeit lassen sollen, wir waren oft schon mittags auf der nächsten Hütte. Ich werde den Pfad nochmal gehen, wenn alles klappt in 2019 oder 2020. Mich würden deine alternativ Routen in Italien interessieren.
Viele Grüße Holger

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