Nach E5 den Traumpfad

Blancanieve166, Donnerstag, 12. November 2020, 11:26 (vor 12 Tagen)

Hallo Zusammen,

ich bin letztes Jahr die Alpenüberquerung auf dem E5 von Oberstdorf nach Meran gewandert und überlege vielleicht 2021 den Traumpfad in Angriff zu nehmen.
Ist von Euch eventuell schon jemand beide Touren gewandert und kann deshalb einschätzen um wie viel härter der Traumpfad ist?

Mir ist klar das allein schon die Dauer, die Kilometer und die Höhenmeter einen großen Unterschied ausmachen, aber sind die Wege ähnlich oder würdet ihr sagen das manche Etappen sehr viel anspruchsvoller sind?

Vielen Dank schonmal für Eure Antworten!

Viele Grüße
Kathi

Nach E5 den Traumpfad

BitPoet @, Donnerstag, 12. November 2020, 20:26 (vor 12 Tagen) @ Blancanieve166

ich bin letztes Jahr die Alpenüberquerung auf dem E5 von Oberstdorf nach Meran gewandert und überlege vielleicht 2021 den Traumpfad in Angriff zu nehmen.
Ist von Euch eventuell schon jemand beide Touren gewandert und kann deshalb einschätzen um wie viel härter der Traumpfad ist?

Mir ist klar das allein schon die Dauer, die Kilometer und die Höhenmeter einen großen Unterschied ausmachen, aber sind die Wege ähnlich oder würdet ihr sagen das manche Etappen sehr viel anspruchsvoller sind?

Sehr viel anspruchsvoller würde ich nicht sagen, auch wenn das natürlich ein wenig subjektiv ist. Beim E5 kommt es noch ein wenig darauf an, mit welcher Variante man vergleicht (Standard, Kaunergrat, Similaun...), aber ein paar ausgesetzte Stellen, kurze Reibungskletterstücke und ein wenig Blockwerk bietet der E5 ja immer. Die Etappenlänge ist eher nicht das Thema. Übers Birkkar darf man sich an ein, zwei Stellen nicht zu schade sein, die Hände beherzt an den Fels zu legen (eher nichts ans Stahlseil, das nur fragwürdige Sicherheit bietet), aber kritisch würde ich das bei entsprechender Umsicht nicht nennen. Auf der (bei perfektem Wetter Königs-)Etappe von der Glungezer zur Lizumer muss man definitiv Schwindelfrei sein und eine gute Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit haben, denn dort klettert man auf dem Grat auch mal über mittelgroße Felsblöcke und die Markierungen sind nicht immer gleich auf den ersten Blick ersichtlich. Im Zweifelsfall gibt es da aber auch die Schlechtwettervariante auf dem Zirbenweg durch riesige Heidelbeerfelder. Die oft zitierte "Schlüsselstelle" Friesenbergscharte ist gar nicht so schlimm, weitgehende Schwindelfreiheit vorausgesetzt - bei trockenem Fels lässt sich die kurze Stelle von geübten auch ohne Zuhilfenahme des Stahlseils überwinden (nicht dass ich das empfehlen würde, aber für die Einordnung).

In den Dolomiten sind ein paar Abschnitte dabei, die eher Steig als Weg sind (hoch zur Roa- und Nives-Scharte, teilweise nach dem Rif. Pisciadu), ich kenne aber niemanden, der so weit gekommen ist und dann dort überfordert gewesen wäre. Es gibt die zwei wirklichen Klettereien, die eine zum Boè hoch (mitnehmen wenn es irgendwie geht!) und natürlich der Schiara-Klettersteig. Beide sind optional, aber grandios.

Ich würde sagen, wenn du mit der Etappenlänge auf dem E5 keine Probleme hattest und einigermaßen schwindelfrei und trittsicher bist, dann ist die größte Gefahr, dass du immer weiter laufen willst. Die klassische Wanderkarriere geht so: auf dem E5 angefixt, auf dem Traumpfad süchtig geworden, und ein paar Jahre später steht das Bücherregal voller Fernwanderliteratur und der Urlaub kann nicht mehr lang genug und die Tour nicht weit genug sein :-D

Nach E5 den Traumpfad

Blancanieve166, Donnerstag, 12. November 2020, 21:38 (vor 12 Tagen) @ BitPoet

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Das hilft mir auf alle Fälle sehr weiter.

Schwindelfreiheit ist bei mir kein Thema. Ich bin schon an Jägersteigen und Gratwanderungen unterwegs gewesen und hatte keine Probleme.
Ich denke bei den genannten Schlüsselstellen müsste ich dann einfach sehen wie die Wettersituation und auch die eigenen Verfassung an dem Tag ist. Jeder Tag ist ja nicht gleich.

Den Schiara - Klettersteig würde ich auf jeden Fall umgehen, da ich keine Erfahrung mit Klettersteig Ausrüstung habe und mir deshalb das Risiko zu groß wäre.

Nach E5 den Traumpfad

K2 @, Mittwoch, 18. November 2020, 19:01 (vor 6 Tagen) @ Blancanieve166

Hallo Kathi.

Ich kenne persönlich zwar Oberstdorf-Meran nicht komplett, aber dafür ein paar München-Venedig-Begeher, die auch den entsprechenden E5-Abschnitt begangen haben und wie heißt es so schön: Dumm darf man sein, man muß sich nur zu helfen wissen und so hatte ich nach Deinem Post mal einen kontaktiert, der es wissen muß.

Hier noch seine zwischenzeitlich eingetrudelte Antwort (neben der ja sehr schnell erfolgten, sehr ausführlichen von BitPoet) im O-Ton:

Oberstdorf-Meran habe ich anhand des Geocaches GC5Y87Q gemacht.
Hier bleibt mir vor allem in Erinnerung, dass man immer von Tal zu Tal über eine Spitze / über einen Schatten marschiert ist, die Etappen von "Berg zu Berg" wurden hier alle immer mit Bus / Taxi zurückgelegt.

Daher finde ich Oberstdorf-Meran recht einfach, auch die Dauer der Wanderung insgesamt ließ eine kleinere/geringere Ausrüstung zu. Weniger Unterwäsche und da sich das Wetter auf diesen kurzen Zeitrahmen besser einschätzen konnte, musste man auch nicht so sehr auf Schnee / Regen vorbereitet sein, was alles Ausrüstung reduziert.

München-Venedig finde ich ab Bad Tölz die deutlich anspruchsvollerere Wanderung, viel mehr Höhen, steilere An- und Abstiege.... und hinten heraus, in Italien die Flachetappen bei drückender (Sommer-) Hitze haben echt weh getan - dies entfällt natürlich bei Oberstdorf-Meran.

Oberstdorf-Meranfinde ich echt eine gute "Einsteigerwanderung", wenn man selbst mal testen will, ob einem solche Mehrtageswanderungen überhaupt taugen - bei München-Venedig gehört schon etwas Ausdauer dazu.


Alles in allem, würde ich das als ermutigend für Dich ansehen.

Bei Detail-/Rückfragen stünde der nette Herr nordbayerischer Herkunft auch für Rückfragen per Mail zur Verfügung, die ich auf Anfrage direkt rausgeben darf (==> bei Interesse, einfach mich kontaktieren oder hier entsprechenden Wunsch artikulieren, dann maile ich die Mail-Adresse).

Ich denke, Antworten/Eindrücke kann man ja nie genug haben ;-)

Schöne Grüße
K2.

Nach E5 den Traumpfad

Blancanieve166, Donnerstag, 19. November 2020, 10:00 (vor 5 Tagen) @ K2

Hallo K2,

vielen lieben Dank! Wahnsinnig nett von Dir, dass du extra bei jemanden nachgefragt hast!

Auf das Angebot mit dem Kontakt komme ich sehr gern zurück. Wie Du schreibst, man kann nie genug Erfahrungsberichte haben.

Was er schreibt ergibt soweit auch alles Sinn für mich und hatte ich auch so erwartet.
Nur den Teil mit der Ausrüstung würde ich so nicht hundertprozentig unterschreiben. Wir sind zum Beispiel bei Hitze und mit kurzer Hose in Oberstdorf gestartet und wegen eines unerwarteten Kälteeinbruchs bei fast 40 cm Neuschnee in Italien angekommen :)

Viele Grüße
Kathi

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