Traumpfad August September.Anfängerin

Mario @, Mittwoch, 19. Juni 2019, 12:57 (vor 150 Tagen) @ Desdemona

Hallo Bianca,

hättest du gleich etwas mehr von dir preisgegeben hättest du die Reaktionen vielleicht auch nicht in dieser "totalitären" Form bekommen. Wenn deine Grundkondition da ist, besteht zumindest Hoffnung :) So mussten wir ja davon ausgehen, dass du direkt vom Schreibtisch auf den Berg willst. Dennoch werden in den Bergen andere Muskeln gebraucht und auch die Belastung für die Gelenke ist eine andere. Wir haben vor unserer ersten Tour in einem Hochhaus (Studentenwohnheim) mit immer schwerer werdenden Rucksäcken reichlich Höhenmeter treppauf-treppab gemacht, das hat ganz gut geholfen.
Aber lass es am Berg langsam angehen. Der Tip mit dem Weg übers Braueck ist ganz gut. Aber auch der ist nicht zu unterschätzen! Wenn du mal noch "Tote Achselköpfe" googelst, findest du einiges...
Nimm auf jeden Fall Stöcke mit! Am besten benutzt du die auch schon bei den Flachlandetappen, so lernst du zum einen die Handhabung und sparst zusätzlich Kräfte (erfahrungsgemäß liefern die auch in der Ebene im Schnitt ein zusätzliches km/h). In den Bergen können sie bei einem Ausrutscher über Leben und Tod entscheiden.
Ausrüstungsmäßig würde ich dir außerdem noch einen Wassersack (mit Schlauch und Mundstück) empfehlen. Da kann man quasi im Gehen trinken, ohne den Rucksack absetzen zu müssen. Somit kannst du kontinuierlich nachtanken. (der Effekt mit ausgeschwemmten Mineralien etc. sollte dir ja als Triatletin bekannt sein). Außerdem empfehle ich Hirschtalg für die Füße!

Der "Härtetest" wird der Schlauchkarsattel überm Karwendelhaus. Bei uns gabs vom Wirt bzw. seinem Sohn ein ausführliches Briefing, falls es das bei dir nicht gibt, sprich ihn einfach an. Wenn du den bestehst, steht körperlich der restlichen Tour nicht mehr viel im Wege.

Der Weg von der Glungezer- zur Lizumer Hütte ist, insbesondere was das Geläuf anbelangt, äußerst anspruchsvoll. Wenn du also nicht vorher feststellst, dass du wie eine Gemse von Felsen zu Felsen hüpfst, würd ich mir das gründlich Überlegen. Wir sind das letzte Mal die vom Rother vorgeschlagene Variante über die Voldertalhütte gegangen, da war ich auch ganz zufrieden.

Die viel beschworene Friesenbergscharte ist schneefrei und trocken eigentlich gut zu gehen, wenn man entsprechend schwindelfrei ist.

Der sogenannte Klettersteig zur Nevesscharte ist ein Witz. Den größten Teil geht es gemütlich in einer Rinne große Treppenstufen nach oben. Nur die letzten paar Meter sind leicht ausgesetzt. Die Querung vor dem Einstieg ist mMn. deutlich heikler ebenso wie der Aufstieg zur Roascharte, wo man nicht ins Rutschen kommen sollte.

Die Schiara würd ich an deiner Stelle umgehen. Falls du nicht wie in den Büchern vorgeschlagen den Bus nehmen willst, gibt es eine Ostumgehung, wurde ca. 2009 neu angelegt und sollte noch intakt sein, ist aber SEHR lang und anstrengend. Westumgehung anscheinend im reudigen Zustand.

Und noch eines was nicht sicherheitsrelevant ist: Ich versteh nicht, warum der Weg am Piz Boe vorbei führt... auf jeden Fall mitnehmen und am besten, wenn du abschätzen kannst, wann du dort bist, eine Übernachtung im Capanna Fassa buchen, (geht per Telefon)

Also wünsche ich dir alles gute und mochte dir noch den folgenden Spruch mit auf den Weg geben, er hängt u.a. im Gastraum des Karwendelhauses.

Viele Grüße
Mario


Umkehr

Wie oft bist Du am Berg schon umgekehrt?
Es war nicht Feigheit, was der Berg Dich lehrt!

Fällt auch dem Leichtsinn noch ein Gipfel in den Schoß,
doch im Verzicht zeigt sich der Meister groß!

Solang Du lebst, führst mit Dir selbst Du Krieg.
Sich selbst bezwingen – schönster Gipfelsieg!


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